Das Chaos in mir

*

In einer dunklen Nacht stehe ich am offenen Fenster.
Chaos in meinem Kopf und in meinem Herzen.
Haltlos breite ich die Arme aus.

Leicht und zugleich schwer durch den Wind bin ich und lasse mich tragen.
Immer wieder sehe ich dein Gesicht vor meinem inneren Auge.
Eigentlich ist es nicht dein Gesicht, sondern deine Seele.
Bin gefangen in einem Käfig aus Federn, die mich sanft umschließen, wie ein schöner Traum.
Ewig und trotzdem vergänglich.

Du bist all das, das ganze Chaos in mir.
Ich sehe dich und deine Lichter in der Nacht.
Chaotisch tänzelnde Farben inmitten windiger Gassen.
Hingerissen von den Geräuschen der Stadt schließe ich erfüllt die Augen.

Wolke

*

Inmitten der Farbgewitter
Liegen reflektierend Glassplitter
Eine Wolke schwebt
wie Nebel darüber
Hinweg und trotzdem vorbei
Schmilzt dahin
wie eine Schneeflocke
Auf der Haut

Und in einer flüsternden Nacht
Bist du immer noch da
Schweigend aber begreiflich
Als wärst du nie gegangen
Als hättest du nie angefangen
Mich in die Wolke
Und dich ins Gewitter
Zu ziehen

Wir waren wie Blitze
Die nur einen Bruchteil leuchten
Und sich nie berühren
Aus Angst sich zu verlieren
Doch am Himmel leise flüstern
Ohne Worte und Substanz
Nur Watte
Und Distanz

Und am Ende waren wir doch nur Momente
Die man nicht einmal fühlen kann
In all der Dunkelheit
Als hätte es unser Licht nie gegeben
Als würde man leben
Als wäre es alles nicht bloß
Ewiges Schweben
Im Nichts

Und jetzt bin da ich
Inmitten der Farbgewitter
Zersprungen in tausend Splitter
Und schwebe über mir
Wie eine Wolke
Ohne Gefühl
Und ohne Licht
Sehe ich mich

Dort
Atme ich fort
Dass nichts real ist
Reflektiere die Lichter
Alle bunten Gesichter
Die Blitze in der Nacht
Dann tauche ich ein
Und bin all das

Fallen Lassen

*

Ein Stein liegt dort einsam und schwer,
du spürst ihn und dann gar nichts mehr.

Wo liegt er wohl?
Wo liegt er wohl
behütet und geborgen?
Im Innersten verborgen.
Vergeben und vergessen.
Verleben und vermissen.
Verlieben und vertraut.
Verdacht, verzeiht. Verbaut.

Wo liegt er wohl?
Wo liegt er wohl
kalt vom Eisgewitter?
Sag du es mir,
es liegt in dir
und schlummert bis zum Winter.
Wenn die ersten Flocken sinken
Und dir die Winterkinder winken,
wird der Stein sich lockern lassen
und du dir an dein Herze fassen.
Etwas wird sich zeigen.
Du wirst nicht ewig schweigen.

Sieh.
Sie
lächelt dir Worte zu.
kommt auf dich zu.
jemand hört dir zu.
Kiste voller Leere zu.
Und sie sieht dir dabei zu,
wie dir ein Stein vom Herzen fällt.